Oralsex

Die Lust am Oralsex gehört nicht zu den robusten Lüsten. Sie ist schwer ansprechbar, divenhaft und reagiert auf auf plumpe Annäherungen mit Unnahbarkeit. Oft stellt man sich so ungeschickt an, dass die oralen Lüste in alle Richtungen verschwinden und sich auch lange Zeit nicht mehr blicken lassen. Die Berührungen sind sich dann so unverständlich wie ein fremdes Gebiss oder eine verirrte Hand in der Schublade.

Gerade im Zugreifen, Blasen und Lecken greift und züngelt man dann daneben und spürt nichts. Es ist wie beim Hinhören, bei dem man nicht zuhört oder wie beim Hinsehen, wo man durch alles hindurchsieht. Im Hinsehen gibt es ein Wegsehen, so wie im Berühren eine Blase entstehen kann, in der die Berührung eingeklammert ist. Diese Membran kennt jeder vom Telefonieren, wo man mitten in der Fußgängerzone telefoniert und doch von den anderen Leuten nichts sieht, obwohl man sehr genau sieht. Die Leute um einen herum sind dann ausgekoffert und existieren gerade dadurch nicht, dass man sie sieht.

Übertragen auf Sex heißt das, in der Berührung den anderen und damit auch sich selbst auszublenden und eben nicht zu berühren. Prostituierte legen sich so eine zweite Haut zu, indem sie den Sex wie die Mitmenschen beim Telefonieren in eine Blase stecken. Der Kontakt mit dem Freier wird auf diese Weise neutralisiert. Die Blase ist dabei sehr flexibel und lässt schon die Reize durch, damit die Prostituierte richtig reagieren kann, die richtigen Geräusche und Bewegungen macht. Sie schottet sich also keineswegs ab, sondern lässt das Durchdringen, was für sie wichtig ist. Es ist so wie beim Weghören im Hinhören, wo man doch darauf anspringt, was man für wichtig hält. Was interessiert, wird durchgestellt und findet seinen Weg.

Gekaufter Sex ähnelt so oft dem Schweigen, bei dem alles durch sich hindurchgehen lässt. Beim Schweigen sind es die Gedanken und Geräusche, beim Sex die Berührungen und der Geschlechtsverkehr. Im Trubel zum Schweigen zu kommen ist dann dasselbe, wie im Sex über Sex hinauszukommen. Das findet sich oft auch beim nichtkäuflichen Sex, wo viel in der Blase verschwindet. Oralsex besteht leider gerade darin, im Blasen oder Lecken den Kontakt zu neutralisieren.

Wenn Sex schlecht ist, berührt man im direkten Hinfassen, Lecken und Züngeln weniger, als man handfest berührt. Guter Sex besteht entsprechend darin, mehr zu berühren als man tatsächlich berührt. Das ist eine ausgemachte Sache, denkt man an die zärtliche Erotik, bei der sich jede Berührung als Lust vorweg ist und eine Spur nicht hinterlässt, sondern vor sich hat. Wo man berührt wird, ist gar nicht das Zentrum, sondern in dem, was noch nicht berührt ist. Es bildet sich eine Lust vom Hier zum Dort und vom Jetzt auf Gleich.

Man kann darin mehr fühlen, als eigentlich fühlbar ist. Dieses Mehr muss aber nicht immer ein erotisches Plus sein. Es zeigt sich auch in ganz alltäglichen Situationen. Wenn man so im Möbelhaus mit dem Finger über die Tischplatte fährt, kann man darin bereits die Zukunft des Furniers herausfühlen. Was man fühlt, ist nicht nur der Tisch, so wie er sich zeigt, sondern auch der Tisch, wie er nach drei, sechs und zwölf Monaten Gebrauch aussehen wird. Man sieht dann nicht, wie das Furnier an den Seiten aufplatzt und die Sperrholzplatte freilegt, aber man hat ein gutes Gefühl dafür, dass dieser Tisch bald abgenutzt sein wird und kauft ihn also nicht.

Man fasst etwas an und kann darin mehr spüren als eigentlich spürbar ist. Beim Durchkneten von Ton spürt man beispielsweise viele alte Gesichter und Figuren, die im Material unsichtbar enthalten sind. Der Töpfer knetet diese Dellen, Löcher und Stauchungen heraus und weiß sehr genau, wann das Langzeitgedächtnis des Tons erschöpft ist. All die Verdrehungen im Material sind kaum sichtbar und auch nur im Ansatz spürbar. Durch noch so viel Tasten wird man die alten Gesichter des Tons nicht herausspüren können. Was der erfahrene Töpfer spürt bringt er mit seinen Erfahrungen zusammen und versteht so unmittelbar das komplizierte Innenleben des Tons. Für ihn ist es so, unmittelbar die verborgenen Figuren im Material zu spüren. Tatsächlich ist es aber ein Ineinander von Erinnerung, Kombinationen und gefühlten Eindrücken.

Töpfern ist nicht sexy, wird es aber, wenn man diese Einfühlung und Einleibung auf den oralen Sex überträgt. So haben die inneren Schamlippen ihr Innenleben, das durch zärtliches Streicheln und Lecken nicht zur Lust gebracht werden kann. Manchmal ist kein zärtliches Küssen gefragt, sondern Dehnen und Zupfen. Die inneren Schamlippen sind hierfür sehr empfänglich. Sie reagieren auf gekonntes Strecken und Ziehen mit einer Lust am Dehnen. Sie sind nicht so empfindlich, wie es von außen scheint und vertragen einiges. Das heißt umgekehrt auch, dass sie nur für kurze Zeit auf sanfte Zärtlichkeiten reagieren. Zu wenig Reibung setzt sie schnell außer Kraft.

Man kann eine Labia zwischen die Lippen nehmen, sie einsaugen und dabei eine ziemlich starke Saugkraft entwickeln, die ihren eigenen erotischen Reiz hat. Denn darin wirkt eine starke Kraft, die anders als beim Zupfen mit den Fingern nicht nur an einer Stelle ansetzt, sondern gleichmäßig Zug ausübt. Beim Fingern wird oft an einer Stelle zu viel und gleich daneben zu wenig an Kraft aufgewendet, so dass eine Mischung aus Erotik, Dehnungsschmerz und Langeweile entsteht. Beim Saugen ist der Einsatz besser verteilt und der Rhythmus von Dehnen und Entspannung natürlicher.

Die erotische Lust am Dehnen ist an einigen Orten besonders zu Hause: in den inneren Schamlippen, im Hodensack, in der Rosette und in den Schwellkörpern des Penis. Durch Ziehen und Zupfen oder im Anus durch einen Stöpsel, der den Ausgang dehnt, entsteht nicht wie sonst üblich ein Unbehagen, sondern eine ziehende Lust. Die Eichel oder der Kitzel vertragen dagegen den Zug nicht sehr gut. Bei ihnen kann man schnell überdrehen und überdehnen und Schmerz setzen ein. Gerade das ist manchmal das Ziel in der Massage oder beim Yoga, wo Sehnen und Muskeln absichtlich so stark unter Spannung gesetzt werden, dass sich ein Dehnschmerz aufbaut. Dieses Ziehen selbst ist unangenehm, vergeht aber schnell und hinterlässt eine angenehme Leichtigkeit und Weite.

Es gibt also eine praktische Wissenschaft vom Dehnen und Ziehen, die je nach Körperteil anders ansetzt. Wer mit seinen Fingern, seinem Lippen und der Zunge arbeitet, der muss ein Gefühl dafür haben, was an Gefühlen herausgedehnt werden kann und was nicht. Dabei bilden Fingern, Saugen und Lecken eine Einheit und garantieren Abwechslung. Schamlippen kann man zwischen die Lippen nehmen oder zwischen die Knöchel zweier Finger sanft quetschen und daran entlangfahren. Man kann sie mit dem Handballen gegen den Oberschenkel ausstreichen oder die Finger in die Vagina bringen und damit breitwandiger erotisieren.

Das Innenleben der Schamlippen kann man durch Saugen und Streicheln alleine nicht erspüren. Es ist wie beim Möbelkauf oder beim Töpfern so, dass man aus dem Fundus der Erfahrungen schöpft und etwas in das Spüren einbringt, was eigentlich dort keinen Platz hat. Doch gerade daraus entsteht das Feingefühl, dass auch noch kleinste Details herausspüren kann. Das Fingerspitzengefühl lebt dabei weit mehr von dem, was man selbst hinzufügt, als von dem, was man unmittelbar spürt.

Einbürgerung und Eingemeindung beim Sex ist keine Geheimwissenschaft, sondern im Grunde etwas ganz Alltägliches. Kommt man beispielsweise nach einem Beinbruch wieder auf die Beine, bewegt man sich mit Hilfe von Krücken. Zuerst sind sie nur Instrumente, die als Verlängerung des Körpers eingesetzt werden. Nach einigen Tagen weiß man mit ihnen besser umzugehen, so dass man nicht mehr eine Kraft vom Körper auf die Krücken überträgt. Man kennt sie mittlerweile so gut, dass sich in ihnen eine Mitte bildet, von der aus man unmittelbar die Bewegungen der Krücke bestimmt. So kommt es zu einer Verschiebung der äußeren Grenze des Körpers, die nun nicht mehr zwischen Hand und Arm einerseits und der Krücke andererseits verläuft, sondern zwischen der Krücke und der Welt.

Auch mit der Zunge kann man einleiben und eingemeinden. Wer singt oder spricht, hat lauter Buchstaben auf der Zunge liegen. Die Vokale und Konsonanten berühren die Zunge, die ihrerseits Schall und Kraft aus dem Kehlkopf und der Brust bekommt. Alles greift ineinander, damit ein T oder ein B, eine Silbe oder ein Wort dabei herauskommt. Die Zunge ist darin nicht mehr von der Kehle, dem Nacken und dem Brustkorb getrennt, sondern bildet eine gefühlte Einheit. Der Sinn für das, was auf der Zunge liegt und gerade zum Ton wird, steckt im ganzen Körper und nicht nur auf der Zungenspitze. Man hört also den Klang, den man erzeugt genauso, wie man ihn im Körper spürt.

Die Zunge als Sprachsegel im ganzen Leib zu spüren ist eine Selbstverständlichkeit. Und auch beim Essen weiß die Zunge, wie sie rangehen muss, um das Beste aus Erdbeereis, Suppe oder Chips zu holen. Die Zungenfertigkeit beim oralen Sex hingegen lässt sehr zu wünschen übrig. Die Zunge ist beim Lecken oft weder mit dem Leib verbunden noch mit dem, was sie spürt. Beim Essen ist dieser doppelte Kontakt ganz selbstverständlich. Was man im Mund hat löst im ganzen Leib etwas aus: Couscous mit ranziger Butter führt zu starker Abneigung im Magen und in den Eingeweiden. Wenn man diese Spezialität gar nicht gewöhnt ist, können sich bei der Frau sogar die Schamlippen vor Unbehagen zusammenziehen. Hat man sich aber in Couscous mit ranziger Butter eingeschmeckt, so wird der Wohlgefallen daran sich von der Zunge aus auch auf den ganzen Leib übertragen.

Die Zunge bildet dabei das Zentrum des Schmeckens, weil von ihr aus der Geschmack sich in den Leib fortsetzt und zugleich das Couscous nicht nur geschmeckt wird, sondern auch eingeleibt wird. Es bleibt nicht ein Fremdkörper mit einer bestimmten Textur, sondern wird zu einem Teil der Zunge. Es ist so wie beim Singen, wo auf der Zunge Silben liegen und sowohl eine Einheit mit dem singenden Leib wie auch mit der Umgebung ergeben. Beim Essen kommt die Rolle der Zunge stärker heraus und man spürt sie gut als Bindeglied, das eine Welt des Geschmacks und der Lust herstellt.

Küsst man einander, setzt sich sich die Berührung der Lippen ebenfalls in den Leibern fort. Ein guter Kuss lässt Gefühle im ganzen Leib aufsteigen und ist eine multiplizierte Berührung aus der Ferne. Bei der Frau kringeln, kräuseln und wellen sich die Schamlippen dann nicht vor Abscheu, sondern aus Lust.

Küssen und Oralsex sind enge Verwandte, so dass sich dieser gute Faktor auch dort findet. Was man auf der Zunge hat, erregt etwas im eigenen Leib so wie beim anderen. Natürlich ist Oralsex ungleich angelegt und besteht nicht in einem gegenseitigen Geben und Nehmen. Aber trotz der Ungleichheit ist die Berührung durch Mund, Lippen und Zunge immer auch ein Berührtwerden durch Schamlippen, Vagina, Penis oder Hoden. Von dort kann die Berührung bis in die Tiefen des Leibes weitergehen.

Praktisch zeigt sich das am so genannten U-Punkt der Frau. Wenn man die inneren Schamlippen mit den Fingern sanft auseinander schiebt, findet sich der U-Punkt zwischen Vagina und Kitzler. Es handelt sich um die Öffnung der Harnröhre, genauer um den U-Ring, also um das, was um die Öffnung herum ist. Dieser Ring ist besonders empfindlich und kann durch die Zungenspitze weich umspielt und aufgeklopft werden. Die Berührung des Harnleiterausgangs mit der Zunge kann dabei so wie beim ranzigen Couscous eine Abneigung oder Ekel im Leib erzeugen. In dem Fall wirkt das Berühren als Berührtwerden auf unbehagliche Weise zurück.

Ist man sexuell entflammt, wird man aber keinen Ekel empfinden, sondern eine Lust. Man denkt gar nicht daran, was sonst im Gefilde der Schleimhäute an Urin, Pilzen und Blut zu finden ist. Stattdessen spürt man ein Lusttüpfelchen, das auf den eigenen Leib stark zurückwirkt und den erotischen Appetit beschleunigt. Es heißt, der U-Punkt sei die Spitze des G-Punktes, aber für den Oralsex ist er wichtiger als der Gräfenberg-Punkt, weil er mit der Zunge gut erreichbar ist. Bei starker Erregung schwillt der U-Ring an und wird zu einer ringförmigen Erhebung. Als Ort der Lust ist der U-Punkt ansprechbarer und weniger kompliziert als der Kitzler. Er hat eine gewisse Zeit, in der er erregt werden kann, um dann wieder in den Hintergrund zu treten.

Der Kitzler sitzt auf einem Schaft und ähnelt so dem Penis. Er ist eine verkleinerte Version von ihm und braucht daher eine ebenso behutsame Annäherung. Sex beginnt weder beim Mann noch bei der Frau mit der direkten Ansprache der Eichel oder des Kitzlers. Das Herantasten im näheren Umfeld beginnt auf dem Venushügel, an den Innenseiten des Schenkels und mit den Schamlippen. Es handelt sich dabei um Durchgangslüste, die Genüsse für sich sind, vor allem aber das Feld der kommenden Lüste vorbereiten. Das Gefühl des Weichwerdens beispielsweise ergibt sich aus kleinen Anfangslüsten, die den Übergang und das Durchblenden in das Dahinschmelzen ermöglichen.

Der Kitzler braucht dieses Umfeld der Gefühlsfarben um Leichtigkeit, Wille zur Lust, Weichwerden und erotisches In-sich-Schwingen, um seinerseits ins Schwingen zu geraten. Zunge und Finger brauchen also das Fingerspitzengefühl für das, was im Venushügel, auf den Schenkelinnenseiten und den Schamlippen an Gefühl geworden ist. Was man zu dabei fassen bekommt, ist je nach Gefühl ganz unterschiedlich, auch wenn sich von Außen gesehen wenig verändert. Man erschafft die Gefühle in den Berührungen und berührt entsprechend Gefühle, die ihrerseits wieder neue Empfindungen hervorbringen. Wer sich also zum Kitzler vorarbeitet, der legt nicht nur eine Strecke von A nach B zurück, sondern auch eine von einem Gefühl zum anderen.

Auch der Eingang der Vagina lässt sich so zum Vibrieren und Empfinden bringen. Man kann man ihn mit den Fingern und der Zunge gleichzeitig bearbeiten und so G-Punkt und Klitoriswurzel mit erreichen. Ab einem guten Erregungsniveau werden die Finger wichtiger und ersetzen die Zunge, weil ein stärkerer Reiz gefragt ist. Man kann die Finger und die Hand um 360° kreisen lassen und dabei sich langsam in die Tiefe schrauben. Wichtig ist hier der Dreh, der geschicktes Auskreisen und Extrakurven beinhaltet.

Der Gräfenberg-Punkt liegt wenige Zentimeter innerhalb der Vagina. Führt man einen Finger in sie ein und macht eine Komm her – Bewegung, dann bekommt eine rauhe, schwammartige Gewebefläche zu spüren. Der G – Punkt ist je nach Anatomie auch für die Zunge oder nur für die Finger erreichbar. Er ist launisch und manchmal auch schüchtern oder schwierig in der Ansprache.

U-Punkt und G-Punkt gibt es nur dann, wenn sie gefühlt werden. Ihr jeweiliger Ort ist anatomisch genau bestimmt, darin aber nur ein vages Versprechen auf Empfindung und Lust. Der Ort des U-Rings beispielsweise ist bekannt, kann aber nicht direkt aufgesucht und wie ein Knopf gedrückt werden. Denn der Ring wird nur so wirklich, dass er in Berührungen erschaffen wird. Erst durch umfangreiche Umwege und Abschweifungen lässt sich das große U erreichen und bildet sich durch abwegige Berührungen.

Mit der Zunge berührt man also nicht einen heißen Punkt, man erschafft ihn und braucht dafür ein inspiriertes Gefühl für die Umwege, Schlenker und Kreise, die man ziehen muss. Man fühlt sich in etwas ein, was noch nicht da ist und erst dadurch komplett wird, dass man es erweckt. Dafür braucht man ein gutes Baugefühl, die zugleich eine Lust am Bauen ist. Diese Lust am Bau kennt jeder vom guten Gespräch, wo man beim Andern durch geschickte Worte Mauern einreißt und nach und nach Widerstände schmelzen lässt. Ist zu Beginn die Atmosphäre gespannt und getrübt, so kann man im Verlaufe der Unterhaltung Entgegenkommen und Verständnis wecken. Wenn das gelingt, so empfindet man eine angenehme Lust am Werden und am Bauen.

Guter Oralsex besteht also zusammengefasst darin, mehr zu berühren, als man unmittelbar und tatsächlich berührt. Er besteht in Einfühlung und Einleibung, in Phantasie und Erinnerung. Man bohrt sein Gedächtnis und seine Erfahrung an, um sich in das Innenleben des Sexpartners hineinzuversetzen. Man bedient sich also bei seiner sexuellen Biographie, die das beisteuert, was man direkt nie erfahren kann.

Mit sexueller Biographie ist nicht das geheime Sextagebuch gemeint, wo Höhepunkte, Tiefpunkte, Vorlieben, Abneigungen und feuchte Träume enthalten sind. Die Rede ist von einer anderen Biographie, in der alle sexuellen Fähigkeiten, linkischen und gekonnten Berührungen und Bewegungen zusammenkommen. Es ist wie beim Radfahren oder beim Schwimmen, wo man sich körperlich erinnert und losfährt oder losschwimmt.

Manchmal ist es so, dass man unter Gedächtnisschwäche leidet und der Körper sich nicht recht erinnern kann. Manchmal erinnert man sich auch deswegen nicht, weil man gar nicht auf die Idee kommt, dass man etwas schon gut kann. Ein guter Sänger kann zum Beispiel sein Können nicht so ohne weiteres auf Sex übertragen. Und wer gut Yoga beherrscht, der weiß zwar viel über seinen Körper und damit über Sex, wird aber oft daran scheitern, dieses praktische Wissen auch zu übertragen.

Für guten Oralsex ist es also notwendig, seine Vorräte an Erfahrung anzuzapfen. Man trägt in sich ungezählt viele Biographien, die auf den ersten Blick nichts mit Sex zu tun haben, aber beispielsweise genau die Art Einleibung enthalten, die man auch für das Blasen benötigt. Ab und zu muss man kleine biographische Sequenzen aus einem Lebensbereich in einen anderen übertragen, um mehr auf der Zunge zu haben, als eigentlich gespürt werden kann.